WER WIR SIND & WAS WIR WOLLEN

Wir sind Sozialisten. Das heißt, dass wir den Kapitalismus und all seine Institutionen durch eine Revolution zerschlagen wollen, um eine klassenlose Gesellschaft aufzubauen. Wir als sozialistische Basisgruppe sind ein Teil dieses Kampfes.

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„Show yourself“

Written by Rote Aktion on . Posted in Kultur

Ein Poetry Slam zum 8.März, dem internationalen Frauentag

Da lauf ich mal durch die Straßen und seh die Plakate
Lange Beine. Kurze Lederhotpants. Sexy Polizeihütchen. Heidi Klum.

Show yourself!“

Schreit uns das Plakat entgegen. Die neue ‚Germany’s Next Top Model‘-Kampagne.

Show yourself!

Die halb entblößte Heidi Klum befielht mir, mich selbst zu zeigen.
Nacktheit? Selbstverständlichkeit!

Show yourself! Mich selbst? Wer bin ich selbst denn?

Ich lebe in Abhängigkeit von dem Geld anderer, denn ich habe nur Zeit für 4 Stunden Arbeit am Tag. Ich kümmere mich um meine Kinder – meistens alleine, denn mein Mann hat sich aus dem Staub gemacht. Ich stehe morgens auf, hetze den ganzen Tag hin und her, arbeite monoton jeden Tag das gleiche, und bin abends zu gestresst, um mich um meine Kleinen zu kümmern. Ich bin die Rabenmutter, die es nicht packt, alles gleichzeitig und mit einem Lächeln auf den Lippen hinzukriegen.

Show yourself! Mich selbst? Aber wer bin ich denn?

Ich bin die fremddefinierte, leere Hülle, dekoriert mit Schmuck und Prunk und einem Fetzen Stoff. Ich stehe schön in der Gegend herum, sehe hübsch aus und denke nicht nach. Auf meinen glitzernden High Heels stehe ich, das Handtäschchen unter dem Arm und zwitscher mit fester Überzeugung: „Ich fühl mich schön mit Jade“, „weil ich es mir wert bin“ und „Ich will so bleiben, wie ich bin.“

Show yourself!

Ich bin die liebevolle, sich immer aufopfernde Ehefrau und Mutter. Meine größte Leidenschaft ist saubere Wäsche. Ich gehe auf in meinem Haushalt und freue mich über die Herdprämie – endlich Anerkennung! Schließlich muss sich einer kümmern, wenn die Männer draußen sind. Ich meine, jeder hat schließlich seinen Platz.

Show yourself! Wer bist du?

Ich bin das aufreizende „Lebemädchen“, das jeder verachtet und doch jeder anfasst. Ich trage den kurzen Rock, um die Blicke und Griffe der Männer zu provozieren. Ich weiß, wie ich wirke und ich will so wirken. Ich weiß, dass ich mich selbst auf meinen Körper reduziere und ich will es so. Ich lebe dafür, Männern zu gefallen und ich lebe für ihre Anbetung.

Show yourself!

Ich bin das schwache, kleine Mädchen, das sich beschützen lässt. Das beschützt werden muss. Ich kann nicht für mich selbst sprechen, denn ich habe Angst, gehört zu werden. Ich habe Angst, nicht so klug zu sein wie andere. Ich habe Angst, nicht hübsch, nicht elegant, nicht stark, nicht überzeugend, nicht gut genug, nicht perfekt, nicht besonders zu sein.

Ihr seht mich auf Werbetafeln und im Fernsehen.ägypten
Im Club auf der Tanzfläche und neben euch in der Bahn.
Zuhause bei euren Freunden, nachts neben euch im Bett.
Im Supermarkt bei den Light-Produkten, in der Umkleide bei H&M.
In der Schule sitze ich vielleicht neben euch, in der Schlange an der Kasse stehe ich hinter dir.

 

Merkt ihr was?
Wir selbst haben zu diesen Rollen keine Beziehung. Wir sind das nicht. Uns wird gesagt, dass wir so sein sollen. Heute. Gestern. Vorgestern. Seit hunderten von Jahren.
Und ja, es gibt diese Rollen, aber wir lassen sie uns nicht auf den Leib schreiben.

Show yourself! Wer wir wirklich sind?

Sind wir junge Frauen? – JA!
Sind wir Teil der perspektivlosen Jugend ohne Hoffnung? – JA!
Werden wir zertrampelt von Ängsten, Gewalt und ekelhaften, bis ins Perverse reichenden, von einer Industrie gezeichneten Bildern von Schönheit? – JA!
Leben wir in einer Gesellschaft, die Frauen vorgaukelt, frei zu sein? – JA!
Lassen wir uns diese Rollen diktieren und geben uns mit ihnen zufrieden? – NEIN.

Indien 2Niemand muss uns sagen, dass wir unterdrückt sind. Das wissen wir schon selber. Wir wollen mehr sein als das – wir SIND mehr als das.
Wir sind mehr als der kurze Rock.
Wir sind mehr als Kartoffelsuppe und weiße Wäsche.
Wir sind mehr als der Siegeszug deiner letzten Nacht.
Wir sind mehr als 23% unterbezahlt.

Frau sein ist schön – aber nicht in einer unschönen Gesellschaft.
Schön sein ist ja was Schönes, aber schön ist nicht Größe Null.
Null Selbstwertgefühl – ein Ergebnis unseres Aufwachsens, aber nichts, das erstrebenswert ist.
Streben nach Akzeptanz und Anerkennung, aber das nur durch stumme Resignation, nicken und aushalten, ohne die Stimme zu erheben?

Wir haben eine Stimme und wir wissen sie zu benutzen.
Wir wollen der kollektive Aufschrei sein.
Wir wollen Vorkämpfer sein für eine bessere Zukunft.
Wir wollen euch die Ketten unserer Unterdrückung zeigen –
und sie vor euren Augen sprengen.
Wir wollen dort kämpfen, wo das Leben ist.

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