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Dignitiy for refugees – Kampf von Geflüchteten in Köln

Written by Rote Aktion Koeln on . Posted in Antifaschismus, Frauenkampf, Internationale Solidarität

In der letzten Woche ging ein Aufschrei durch die Kölner, und teilweise die bundesdeutsche Medienlandschaft. Geflüchtete aus einer „Unterkunft“ (so wir die Turnhalle euphemistisch genannt, in der die Menschen leben müssen) im Kölner Stadtteil Humboldt-Gremberg richten zwei offene Briefe an die Öffentlichkeit und finden deutliche Worte für ihre Situation.

Hintergründe

In einem allgemeinen Brief der Geflüchteten aus der Unterkunft werden die lebensunwürdigen Zustände kritisiert: eklatante Mängel in Sachen Privatsphäre, Ernährung, Hygiene, ärztlicher Versorgung, Umgang der Securities. Männer, Frauen (auch schwangere Frauen und stillende Mütter) und Kinder leben zu etwa 200 Personen in einer einzigen Turnhalle ohne jeglichen Sichtschutz. Duschen ist nur in, immerhin nach Geschlechtern getrennten, Gemeinschaftsduschen möglich. Ärztliche Versorgung der Menschen wird teilweise verboten und erschwert. Das Essen ist ungesund und einseitig und absolut nicht für die Bedürfnisse der Kinder geeignet. Die Liste der Vorwürfe ist lang. Ein zweiter offener Brief der Flüchtlingsfrauen der Unterkunft enthält gegenüber dem zuständigen Security-Dienst Adlerwache Vorwürfe der sexuellen Belästigung, des Missbrauches und der Vergewaltigung. Angestellte Mitarbeiter gehen in die Frauenduschen und -toiletten, filmen Frauen beim Schlafen und Stillen ihrer Kinder, locken Frauen in sexuelle Beziehungen mit dem Versprechen nach Wohnungen und zwingen sie auch zum Geschlechtsverkehr. Adlerwache bestreitet die Vorwürfe von Anfang an – mittlerweile haben zwei Frauen aus der Unterkunft Anzeige wegen sexueller Beleidigung erstattet; zwei Mitarbeiter des Subunternehmens Brandwache der Adlerwache mussten abgezogen werden.

Spontandemonstration und erstes Medienecho; verkacktes Polizeikonzept

Am Mittwoch, den 17. Februar, übergaben ca. 60 Geflüchtete die offenen Briefe an die in Poll ansässige Außenstelle des Bundesministeriums für Migration und Flüchtlinge, und starteten ein erstes Protestzelt am Kölner Dom. Ihre erste Aussage war „Solange diese Securities noch da sind, gehen wir nicht zurück!“ und erst als das Gerücht umherging, dass der Sicherheitsdienst tatsächlich weg sei und die Polizei nun vor Ort sei, gingen die Menschen zurück. Sofort begann ein riesiges Medienecho: der Kölner Stadtanzeiger, der WDR, Spiegel, ja sogar die Tagesschau berichtet. Nachts noch kommen Journalisten zur Unterkunft und versuchen mit Bewohnern zu sprechen. Von Interesse ist jedoch nur eines: die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs und der Vergewaltigung. Fast keine Erwähnung finden die allgemeinen menschenunwürdigen Bedingungen vor Ort (das kann die Öffentlichkeit anscheinend schon nicht mehr schocken?).

Am Abend noch, gegen 21 Uhr, fährt ein Aufgebot von Cops zur Unterkunft. Die Kriminalpolizei beginnt ihre Ermittlungen aufgrund der öffentlich formulierten Anschuldigungen. 50 Frauen aus der Unterkunft werden befragt. Ohne jegliche Vorbereitung. Von weißen Männern, mit weißen Dolmetschern, in den Räumlichkeiten, in denen die Verbrechen geschehen sind. Viel mehr verkacken kann man seine beginnenden Ermittlungen gar nicht. Wir alle wissen, dass sogar Frauen in Deutschland, die in relativer Sicherheit leben und die Gesetze und Rechte hier kennen, die keine Sprachprobleme haben und sich ganz von sich aus Beratung und Betreuung holen können, viel zu selten sexualisierte Gewalt anzeigen. Wieso wird jetzt von diesen Frauen genau das Gegenteil erwartet? Wieso wurde nicht bereits am ersten Abend qualifizierte Betreuung mit gebracht? Wie wenig empathisch kann man eigentlich mit Menschen umgehen? All dies sind Verhaltensweisen, die auch längerfristigen Schaden auslösen können und Vertrauen nicht aufbauen, sondern im Gegenteil, noch mehr zerstören.

Keine Anzeigen, keine Glaubwürdigkeit

…so einfach ist die Rechnung in der bürgerlichen Medienlandschaft. Als auch am zweiten Tag (wow, mittlerweile hat die Polizei es wenigstens geschafft, mit weiblichem Personal zu arbeiten…) noch keine Anzeigen eingingen, war das Thema für die Presse im Grunde genommen gegessen. Leider doch kein Skandal, mit dem man Kohle machen kann. Diesen „Anschuldigungen“ könne man ja nicht glauben, wenn die Frauen nicht direkt Anzeige stellen. Immerhin hat die Polizei ja jetzt gezeigt, dass sie sich dafür interessiert (scheiß doch drauf, was die Menschen vielleicht vorher für Erfahrunen mit Behörden gemacht haben, in ihren Ländern, auf dem Fluchtweg und auch in Deutschland…). Leider läuft es hier so: wenn die Frauen nicht direkt zur Polizei gehen, und nicht diesen Schritt gehen, den die wenigsten Frauen überhaupt gehen, kann es sich nach Meinung der Presse nur um Anschuldigungen handeln, ganz egal, was auch mehrere Frauen bereits Journalistinnen vom KSTA, WDR und Spiegel berichteten.

Wir müssen an dieser Stelle ganz klar sagen: es entspricht unserem Verständnis, dass wir Frauen mit solchen Vorwürfen Glauben schenken und sie ernst nehmen und ihnen auch mit mehr Zeit und Ruhe und ohne Druck die Möglichkeit geben, über das Erlebte überhaupt in einem geschütztem Rahmen zu sprechen. Nur weil es bisher erst die beiden Anzeigen der Frauen wegen sexueller Beleidigung gibt, müssen sich die Adlerwache und das DRK noch lange nicht auf die Schultern klopfen und davon ausgehen, dass in ihrer Unterkunft alles gut ist. Nein, Frauen haben diese Vorwürfe formuliert und halten daran fest (beispielsweise in einem Interview von drei Frauen aus der Unterkunft mit dem Spiegel, dem WDR und dem Kölner Stadtanzeiger). Und auch etablierte Stimmen aus der Politik und dem öffentlichen Leben unterstützen diese Annahme: sexueller Missbrauch ist Standard in solchen Unterkünften. Dies sind Worte des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung. Solche Situationen fordern es quasi heraus, dass sich Männer, die vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben Autorität haben und „wichtig sind“ Frauen und Kinder in schutzlosen Situationen bedrohen und ausnutzen. Das sind Worte des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung. Und auch das DRK selber sagte in einem Statement: solche Unterkünfte sind nicht geeignet für Frauen und Kinder! Aber all das ist anscheinend nichts Wert.

Den Kampf der Geflüchteten unterstützen!

Unsere Schlussfolgerung aus der letzten Woche: die Geflüchteten haben hier in Deutschland ein beschissenes Leben (gleichzeitig mit den Protesten der Geflüchteten in Köln wurde in Clausnitz ein Bus mit Geflüchtetem vom Deutsch-Mob gröhlend empfangen und einige Menschen mit Polizeigewalt traktiert, sowie eine geplante Unterkunft in Bautzen abgefackelt…) und es ist unsere Aufgabe, gemeinsam mit ihnen diese Situation zu verändern. Die Presse schert sich einen Dreck darum, außer sie können mit kleinen Skandälchen Kohle machen, also dürfen wir uns nicht auf ihre Hilfe verlassen. Die Verantwortlichen werden immer, immer, immer versuchen, sich aus der Affäre zu ziehen – nur mit genug Druck schaffen sie das nicht weiter! Also – sucht den Kontakt zu Geflüchteten, besprecht mit ihnen ihre Lage (und zeigt ihnen, dass es auch anders in Deutschland geht!) und seid ihnen eine Untersützung in ihrem Kampf um Rechte und Würde! Dieses Mal können wir einem Vertreter der Bundesregierung tatsächlich glauben, wenn er sagt: es ist Standard, und hat System, dass in Unterkünften sexueller Missbrauch gegenüber Frauen und Kindern stattfindet. Also, woran zweifeln wir noch?

Wir untersützen weiterhin mit aller Deutlichkeit die Forderungen der Geflüchteten aus der Westerwaldstraße und hoffen auf mehr Druck von unten, denn auch in anderen Lagern sieht die Situation nicht besser aus.

Dignitiy for refugees!

Aktuelle Infos dazu gibt’s hier und hier!

 

 

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