WER WIR SIND & WAS WIR WOLLEN

Wir sind Sozialisten. Das heißt, dass wir den Kapitalismus und all seine Institutionen durch eine Revolution zerschlagen wollen, um eine klassenlose Gesellschaft aufzubauen. Wir als sozialistische Basisgruppe sind ein Teil dieses Kampfes.

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Der erste Mai 2016 – ein Rückblick

Written by Rote Aktion Koeln on . Posted in Antifaschismus, Antikapitalismus, Antirepression, Internationale Solidarität

Hunderte Festnahmen in Stuttgart. Eine bereits im voraus verbotene revolutionäre 1. Mai Demonstration in Berlin. Massive Angriffe auf die Demo in Hamburg. Verhaftete türkische Genossen. Ein Toter am Rande des Taksim-Platz in Istanbul — überrollt von einem Wasserwerfer der Polizei.

Schicke, revolutionäre Vorabenddemo in Köln

Schicke, revolutionäre Vorabenddemo in Köln

Wohin wir an diesem 1. Mai auch schauten, überall zeigte der Staat seine Muskeln, machte unnachgiebig von Gewalt Gebrauch und versuchte alle kämpferischen Stimmen, die sich gegen ihn erhoben, im Keim zu ersticken. Dabei machte er auch nicht vor der bürgerlichen Presse halt, legte Journalisten in Stuttgart Kabelbinder an und schikanierte sie stundenlang. Auch in Köln boten die Herrschenden ihr gesamtes Repertoire auf.

Unter dem Motto „Wir lassen uns nicht spalten! — am 1. Mai auf die Straße für eine revolutionäre Perspektive“, hatten verschiedene migrantische und nicht-migrantische revolutionäre Organisationen zu einer revolutionären Vorabenddemo in Köln aufgerufen. Zum zweiten Mal nach der letztjährigen revolutionären Vorabenddemo. In diesem Jahr regte sich allerdings deutlich massiverer Widerstand. Die Cops führten die Keupstraße im Stadtteil Mülheim, über die die Demo bereits im letzten Jahr führte, als Ablehnungsgrund für die angemeldete Route ins Feld. Der vorgeschobene Grund? Ein türkischer Faschist wurde am Rande eines Aufmarsches türkischer Nationalisten in Köln einige Wochen zuvor in der Keupstraße angegriffen und mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht. Ärgerlich für ihn. Seitdem betrachten rund 10.000 türkische Nationalisten (so viele haben zumindest nen Like bei Facebook da gelassen) die Keupstraße als Brutstätte ihres Unheils, boykottieren die Geschäfte und Restaurants aus Solidarität mit dem schicken Sportwagen ihres Weggefährten und schwören selbstverständlich Rache.

Heraufbeschworene Horrorszenarien auf der Keupstraße

Heraufbeschworene Horrorszenarien auf der Keupstraße

Letztlich nützten aber auch die von den Cops heraufbeschworenen Horrorszenarien über unsere angebliche „Kurden-Demo“ nix, man ließ sich nicht beirren, die Route ging durch und so konnte man sich auf die Demo vorbereiten. Die Stadt wurde an der ein oder anderen Stelle einem Facelift unterzogen, ein schickes Mobi-Video ging raus in die Welt, Transpis und Fahnen wurden gepinselt und Kölnerinnen und Kölner bekamen in der Straßenbahn was in die Hände und auf die Ohren. Bis, ja bis nur zwei Tage vor dem großen Tag Widerstand aus einer Ecke aufkeimte, die man so gar nicht auf dem Schirm hatte. Die Initiative „Keupstraße ist überall“, die seit Jahren Betroffenen-Arbeit auf der Keupstraße leistet, erzürnte sich über eine angebliche Instrumentalisierung der Straße, einer Degradierung der Bewohner zu Statisten und vielerlei mehr.

Nach Gesprächen mit Bewohnern der Straße wurde klar: Man fürchte sich vor weiteren Krawallen vor der eigenen Haustür, einer großräumigen Sperrung der Straße und damit verbundenen finanziellen Einbußen an einem der umsatzstärksten Tage in der Woche. Wer ihn in seinen Befürchtungen tatkräftig unterstütze war, na wer wohl? Die Polizei. Die hatte ihrerseits ihre Arbeit getan, hatte den Ladenbesitzern einen Besuch abgestattet und image3 2Empfehlungen ausgesprochen, die Geschäfte doch einfach aus Sicherheitsgründen für ein paar Stunden zu schließen. Welch umsichtiger Rat. Dass die Keupstraße nach den Anschlägen des NSU und der danach einsetzenden Terrorisierung durch den deutschen Staat eine ganz besondere Rolle in dieser Stadt einnimmt und wir nach den geäußerten Bedenken der Anwohner mit besonderem Bedacht vorgehen mussten, war damit klar unterstrichen. Dennoch änderte sich an der Route nichts, verzichtet wurde allerdings auf eine Kundgebung und die ein oder andere optische Einlage.

Am Tag der Demo wurden im Auftrag der Cops (oder des Ordnungsamtes? Der Einsatzleiter-Bulle wusste es selbst nicht genau) die Autos der Bewohner in einer groß angelegten Aktion abgeschleppt, die Keupstraße verwandelte sich in eine No-Go Area. Hunderte Bullen, zwei Wasserwerfer, eine Pferdestaffel — So sah die Antwort des Staates auf eine Demo von knapp 200 Jugendlichen aus, die, wer hätte es anders erwartet, völlig friedlich verlief. Es muss die Anwohner schon verblüfft haben, dass diese doch ziemlich kleine Ansammlung von Menschen verschiedenster Herkunft dafür verantwortlich sein sollte, die Fenster zu vernageln und die Familien in Sicherheit zu bringen. Wahrscheinlich wäre die Aufmerksamkeit auf der sonst belebten Keupstraße nur für einige Minuten an diesem Tag auf der Demo hängen geblieben, wenn nicht bereits ab morgens alles voll vom ausführenden Organ des Staates gewesen wäre- Sogar die örtlichen Star-Reporter zeigten sich überrascht, dass auf der militanten Kurdendemo plötzlich so viele Kartoffeln aufliefen und sich die „Kurden-Demo“ als „eigentlich antikapitalistische Demo“ herausstellte. Kann ja mal passieren.

Nur so viel noch zum Schluss (ein Statement zur Taktik der Cops und das Verhalten der Initiative haben wir auf der Keupstraße im Nachhinein verteilt): Wir waren zufrieden mit der Aktion, schöpfte sie doch alles aus, was aktuell in NRW so möglich ist. 200 Menschen, ein wunderschöner Anblick, ein rotes Fahnenmeer, kämpferischer Ausdruck, sehr strukturierte Organisation und laute Parolen — mehr war unter diesen Voraussetzungen nicht möglich. Dennoch erfüllt uns die Gewissheit, eine Vielzahl der revolutionären Organisationen in NRW gemeinsam an einen Tisch und auf die Straße bekommen zu haben mit viel Zuversicht und ein bisschen Stolz. In Zukunft solls in Köln für die Bullen aber nicht mehr so gemütlich werden, so viel ist auch sicher.

Kämpferische revolutionäre Demos auch in Hamburg...

Kämpferische revolutionäre Demos auch in Hamburg…

Der 1. Mai war in vielerlei Hinsicht sehr lehrreich. Er hat uns einmal mehr gezeigt, wer in diesem System der wahre Tyrann ist, und gleichzeitig uns, die Widerstand leisten und rebellieren als Gewalttäter und Chaoten bezeichnet. Dieses System ist gewalttätig, wenn es uns aus unseren Wohnungen zwangsräumt, uns in schlechte Arbeitssituationen zwingt, unsere Natur zerstört und unser Essen vergiftet. Sie zerschlagen unsere Demonstrationen und prügeln Teilnehmer in die Bewusstlosigkeit. Wenn sie uns jeden Tag auf ́s Maul hauen und wir einmal zucken, dann verprügeln sie uns und reden von ritualisierter Gewalt. Aber er hat uns auch gezeigt, dass dieses System einen organisierten Widerstand fürchtet. Dass es diejenigen fürchtet, die seine Widersprüche klar benennt und sie konsequent angreift. Diejenigen die wissen, dass es eine Zerschlagung dieses Systems braucht, und dass diese Zerschlagung durch organisierte Gewalt der unterdrückten Massen vonstatten gehen wird; die nicht mehr betteln, sondern ihre Vorstellungen an dieses

...und Berlin. Klasse gegen Klasse!

…und Berlin. Klasse gegen Klasse!

Leben konsequent umsetzen. Zwischen den Extremen einer Gewaltlosigkeit, die es im kapitalistischen System ohnehin nicht gibt und dem wutentbrannten Nihilismus den wir immer wieder auf den „großen“ Demonstrationen zum 1. Mai beobachten, verläuft der Grat auf dem es für uns zu balancieren gilt. Er ist schmal, aber nur auf ihm kann man tanzen. Im nächsten Jahr hoffentlich auch in NRW mit mehr Menschen und höherer Widerstandsfähigkeit.

Klasse gegen Klasse — Für den Kommunismus!

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